Die Geldflut der EZB geht weiter

Erneute Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank

Der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi hat heute im Rahmen einer Notenbanktagung signalisiert, die Zinsen unter Umständen erneut zu senken. Auch ein weiteres Anleihekaufprogramm erscheint nun möglich. Die Zinsen sind im freien Fall. Das Experiment der Notenbank nähert sich nun einer gefährlichen Phase.

Artikel im Überblick
  • Die EZB hat unmissverständlich signalisiert, Zinsen erneut zu senken und neue Anleihekäufe zu starten
  • Zinsen haben erneut ein Allzeittief erreicht, ein Boden ist nicht in Sicht
  • Das Handeln der EZB erscheint nun eine Verzweiflungstat zu sein
  • Die Gefahren für Preisniveaustabilität sind enorm

Mario Draghi verkündet neue Maßnahmen

Nachdem die Europäische Zentralbank Ende des Jahres 2017 entschieden hatte, ihr Anleihekaufprogramm (QE) zu beenden, ging der Markt davon aus, dass die Zeit elementar niedriger Zinsen wahrscheinlich vorüber ist. Man ging ebenfalls davon aus, dass die EZB zumindest im Jahre 2019 damit beginnen würde, ihre Leitzinsen wieder anzuheben. Gar eine Normalität der Geldpolitik war in Rede. Nachdem konjunkturelle Parameter jedoch in den letzten Monaten derart nachgelassen hatten, dass auch der Inflationsausblick mehrfach nach unten korrigiert werden musste, war die heutige Verkündung aus unserer Sicht keine Überraschung mehr: auf einer Notenbanktagung verkündete EZB Präsident Draghi, dass die Inflationsverankerung sich deutlich vom EZB Zielwert nahe aber unter 2% fortbewegt hat. Die EZB sei daher willens und in der Lage, ihre Instrumente zu nutzen, um dies zu ändern. Er sprach explizit davon, die Zinsen unter Umständen weiter zu senken oder auch ein weiteres Anleihekaufprogramm zu initiieren.

Als Reaktion fielen Zinsen, zum Beispiel gemessen an der deutschen Umlaufrendite, deutlich, nachdem diese in den letzten Monaten schon dramatisch zurückgegangen waren.

Das Experiment nähert sich einer gefährlichen Phase

Das im Jahre 2015 erstmals verkündete Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank wurde in der ökonomischen Literatur vielfach kritisiert. Es wurde immer wieder bestritten, dass das gezielte Aufkaufen von europäischen Staatsanleihen überhaupt geeignet sei, das Inflationsziel der EZB zu erreichen. Selbst wenn dies jedoch der Fall sei, seien die Nebenwirkungen gravierend. EZB-Direktoren wie Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, kritisierten das Anleihe-Kaufprogramm stets.

Aus unserer Sicht hat das massive Aufkaufen von europäischen Staatsanleihen in den letzten Jahren sicherlich dazu beigetragen, die Inflation in Europa zu erhöhen. So haben die niedrigen Renditen auf europäischen Anleihen dazu geführt, dass auch Kreditzinsen in der Eurozone deutlich günstiger wurden. Dies hat zu einer verstärkten Kreditnachfrage beigetragen, was letztlich das Wirtschaftswachstum und die Inflation anregt Wir gehen daher davon aus, dass die besonderen Maßnahmen der EZB nicht wirkungslos waren. Sie waren jedoch in ihrer Wirkung zumindest begrenzt, denn eine wirklich stetig den EZB-Zielen nahe Inflation hat es in den letzten Jahren nicht gegeben, obwohl das Wirtschaftswachstum in der Eurozone angezogen ist. Nun in dieser Phase ein weiteres Kaufprogramm einzuleiten, in der eigentlich seitens der EZB alles getan war, erscheint gefährlich. Der Markt könnte zu irgendeinem Zeitpunkt davon ausgehen, dass die Maßnahmen der EZB letztlich nicht die gewünschte Wirkung entfalten können. Sollte dies dazu führen, dass die Effektivität der Europäischen Zentralbank schlechthin hinterfragt wird, könnte dies dramatische Auswirkungen auf das Vertrauen in Geld haben. Hierdurch könnten Risikoaufschläge auf europäische Anleihen steigen, ganz unabhängig von Inflation. Aus unserer Sicht ist dieses Risiko der vertrauensrelevanten Preisniveaustabilität von den Marktteilnehmern unterschätzt. Letztlich ist es einzig das Vertrauen in eine Notenbank, dass sie den Wert der Währung, den sie begibt, auch garantiert. Sollte es irgendwann einmal passieren, dass die Fähigkeiten der europäischen Zentralbank beschnitten sind, und Angebot und Nachfrage nach im Umlauf befindlichem Geld nur noch durch Marktteilnehmer gepreist werden, wäre dies der Beginn einer Krise, die gravierend schlimmer ist als diejenige in 2009.

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