Wird der Euro aufgrund Corona kollabieren?

Wird der Euro aufgrund Corona kollabieren?

Artikel im Überblick
  • Die Euro-Krise schien in den letzten Jahren in weitem Maße im Griff zu sein.
  • Zinsaufschläge in der Peripherie sind nach Ausbruch der Corona Krise drastisch gestiegen.
  • Die EZB versucht mit dramatischen Rettungsprogrammen zu intervenieren.
  • Eine substantiell höhere Verschuldung verschiedener Euro-Länder ist jedoch eine große Gefahr.

Nachdem Mario Draghi im Jahre 2012 verkündet hatte den Euro um jeden Preis zu retten, haben sich Staatsanleihen in der Euro-Peripherie deutlich erholt. Die Corona Krise bringt nun neue drastische Gefahren für die Stabilität der Euro-Zone. Substantielle Interventionen der EZB werden nur bedingt helfen. Eine dramatisch hohe Staatsverschuldung, insbesondere in Italien, wird ein großes Problem für die Zukunft darstellen.

Eine neue Euro-Krise

Im Jahre 2011 hatte sich die Situation in der Euro-Zone derart zugespitzt, dass Risikoaufschläge bei Ländern in der Euro-Peripherie dramatisch gestiegen waren. Dies führte zu derart hohen Refinanzierungskosten für die beteiligten Länder, dass eine Insolvenz verschiedener Euro-Staaten möglich erschien. Die gesamte Euro-Zone drohte zu zerbrechen. Der damalige EZB Präsident, Mario Draghi, verkündet dann im Jahre 2012 im Rahmen einer Analystenkonferenz in London, dass er den Euro um jeden Preis retten werde. Notfalls könne man im Rahmen eines sog. OMT-Programms unbegrenzt Staatsanleihen kaufen, um gezielt Renditen dieser Anleihen zu senken. Dieses Programm sollte grundsätzlich nicht limitiert sein. Er versuchte dem Markt also ein Zeichen zu setzen, dass Spekulationen gegen den Euro in jedem Falle und um jeden Preis erfolglos sein werden. Das OMT-Programm wurde niemals verwendet. Alleine die Ankündigung des Programms sorgte dafür, dass Risikoprämien auf die besagten Anleihen dramatisch fielen und sich die Situation in der Euro-Zone innerhalb relativ kurzer Zeit normalisierte. Zwar stieg die Verschuldung in den Euro-Ländern in den letzten Jahren weiter an, die Konsolidierung der Staatshaushalte nahm jedoch auch Fahrt auf, während die Wirtschaft einigermaßen intakt war.

Corona änderte nun alles:

Praktisch sämtliche Nationen in der Euro-Zone bildeten nach Ausbruch der Corona Krise dramatische Konjunktur- und Rettungsprogramme, um die Wirtschaft in dieser schwierigen Zeit am Leben zu halten. Diese Konjunkturprogramme müssen natürlich über Schulden finanziert werden, da die Liquidität nicht vorhanden ist. Dies führt dazu, dass die Verschuldung in der Euro-Zone und insbesondere in Ländern wie Italien, die von der Krise besonders betroffen sind, bereits nach wenigen Wochen signifikant gestiegen ist. Der Markt reagierte hieraus sofort und die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen in der Euro-Peripherie sind innerhalb von kürzester Zeit stark gestiegen. Eine massive Intervention der EZB im Rahmen eines neuen Anleihe-Kaufprogramms sorgte dafür, dass die Renditen wieder etwas fielen, jedoch immer noch deutliche Aufschläge gegenüber deutschen Staatsanleihen innehaben. Der Grund ist einfach: Eine starke Verschuldung sorgt dafür, dass die Schuldentragfähigkeit von hoch verschuldeten Ländern nun wieder in Frage gestellt wird. Hieran kann auch ein Rettungsprogramm nichts ändern, denn die EZB refinanziert diese Schulden nur, tilgt sie aber nicht. Das bedeutet, dass die Verschuldung der Länder nicht bedient werden kann. Einzig ein Wirtschaftsaufschwung könnte dafür sorgen, dass die Verschuldung nachlässt. Dies ist aber nicht aktuell, im Gegenteil: Die Situation scheint sich konjunkturell weiter zu verschlechtern.

Die Lage in der Euro-Zone wird dramatisch sein

Die Situation erscheint aus unserer Sicht hochgradig gefährlich. Aufgrund einer relativ guten Wirtschaftsentwicklung in den letzten Jahren war es so, dass das Hauptaugenmerk sich nun nicht mehr auf die Schuldentragfähigkeit der Euro-Zone gerichtet hat. Dies wird sich jedoch ändern und es wird sich auch ändern, wenn die Corona Krise vorbei sein wird. Italien war bereits vor Ausbruch der Krise praktisch nicht in der Lage, sein Schuldenproblem zu bewältigen. Die wirtschaftliche Entwicklung ist viel zu schwach, als dass der Schuldenberg wirklich substantiell verringert werden könnte. Bei einem nun noch höheren Schuldenberg erscheint die Situation umso dramatischer. Wir haben bereits seit Monaten darauf hingewiesen, dass nur ein wirklicher Schuldenschnitt in der Euro-Zone dazu führen wird, dass wieder normales Fahrwasser betreten werden kann. Solange dies nicht der Fall ist, wird der Markt immer wieder darauf spekulieren, dass einzelne Staaten in der Euro-Zone zusammenbrechen und die Euro-Zone als Ganzes gefährden. Die Stabilität Deutschlands kann hieran nichts ändern. Wir gehen davon aus, dass hierdurch weitere massive Turbulenzen korrespondieren könnten, die zu einer weiteren, weit über Corona hinausgehenden, Krise führen werden. Anleger sind gut beraten, dieses Risiko immer ins Kalkül zu ziehen und sich hierauf vorzubereiten. Insbesondere der Kauf von Staatsanleihen erscheint als derart hohes Risiko, von dem wir dringend abraten.

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