Wird Öl jemals wieder steigen?

Wird Öl jemals wieder steigen?

Artikel im Überblick
  • Der Preis für Rohöl ist auf den tiefsten Stand seit über 30 Jahren gefallen.
  • Insbesondere Auseinandersetzungen im Öl-Kartell sorgten für zum Teil sogar negative Preise.
  • Ein großer wirtschaftlicher Nachfragerückgang wird die Preise weiter dämpfen.
  • Langfristig wird der Rohstoff wegen der Knappheit zwangsläufig aber wieder steigen

Eine noch nie dagewesene Panik an den Rohöl-Märkten führte dazu, dass Preise zum Teil in den negativen Bereich fielen. Insbesondere eine fehlende Einigung im Öl-Kartell sorgt für den Crash. Auch die starke fallende ökonomische Nachfrage trug seinen Teil dazu bei. Rohöl bleibt jedoch langfristig ein knappes Gut.

Ein noch nie dagewesener Crash

 Zum ersten Mal in der Geschichte des Rohstofföls gab es vor einigen Wochen erstmals negative Preise an den Terminmärkten. Das bedeutet, dass Käufer von Terminoptionen Geld dafür bekamen, wenn sie den Rohstoff überhaupt abnahmen. Dies hatte verschiedene Gründe: Zum einen führt die coronabedingte Krisensituation dazu, dass die weltweite Nachfrage nach dem Rohstoff stark eingebrochen ist. Insbesondere der praktisch weltweite Shutdown der gesamten Wirtschaft lässt die Nachfrage nach dem Rohstoff einbrechen. Es wird weniger produziert, weniger Auto gefahren, Fabriken werden geschlossen und Airlines bleiben mit ihren Flugzeugen am Boden. Das bedeutet, dass es praktisch keine Nachfrage nach dem Rohstoff gibt, der praktisch bei allen Lieferketten eine wichtige Rolle spielt. Hinzu kam eine heftige Auseinandersetzung im Ölpreis-Kartell OPEC. Die Förderländer konnten sich erstmals nach vielen Jahren nicht darauf einigen, eine bestimmte Fördermenge zu erzielen. So waren es insbesondere Saudi-Arabien und Russland, die sich gewehrt haben, mittels einer Reduktion der Ölmenge die Preise zu stützen. Vielmehr erweiterten sie das Angebot. Hierdurch wurde der Markt auf dem völlig falschen Fuß erwischt und es gab sogar bis vor 2 Wochen den größten Einbruch in der Geschichte des Rohöls. Die Preise an den Terminmärkten fielen zum Teil in den negativen Bereich. Dies ist möglich, da an Terminmärkten zukünftige Preise gehandelt werden. Das bedeutet, dass ein Käufer sich verpflichtet, zu einem bestimmten Tag x eine bestimmte Menge y abzunehmen. Sind die Lagerbestände jedoch so gefüllt, dass eine weitere Lagerkapazität praktisch nicht mehr möglich ist, kostet die Lagerung des Rohstoffes am Ende des Tages mehr, als sein Preis auf den internationalen Märkten wert ist. Das bedeutet, dass es für den Verkäufer besser sein kann, Öl umsonst abzugeben, bevor er es teuer lagern muss oder eine Lagerung vielleicht gar nicht möglich ist. Dies ist der wirkliche Grund des Absturzes des Ölmarktes unter die Marke von 0 EURO. In den letzten Wochen haben sich die Preise etwas stabilisiert, dies vor allem deshalb, da in vielen Ländern die Wirtschaft wieder angestoßen worden ist. Insgesamt bleibt die Lage jedoch äußerst angespannt. Zum einen ist die Stimmung in der OPEC weiterhin sehr schlecht und eine langfristige Einigung erscheint in weiter Ferne. Zum anderen ist die Corona-Krise jedoch auch bei Weitem noch nicht vorbei. Manche gehen von einer zweiten Infektionswelle aus. Jedenfalls wird es lange dauern, bis Airlines oder andere Industriesegmente wieder den Sprung aufnehmen, den sie vor der Krise hatten. Das bedeutet, dass Öl mittelfristig sicherlich sehr niedrig bleiben wird.

Lohnt sich ein Investment in Öl?

Anders ist die Frage natürlich zu beurteilen, ob es sich für Privatanleger lohnen könnte, bei diesen günstigen Preisen einzusteigen. Wie oben bereits ausgeführt, bestehen erhebliche Risiken für die Stabilität des Rohstoffs. Es ist nicht davon auszugehen, dass Öl innerhalb der nächsten Wochen oder Monate wieder den Stand erreichen wird, den es vor der Krise hatte. Das bedeutet, dass ein Investment in Öl sicherlich nur für spekulative Anleger geeignet ist. Langfristig ist jedoch zu beachten, dass der Rohstoff ein endliches Gut ist. Ist die Fördermenge der Welt aufgebraucht, ist Öl nicht mehr reproduzierbar, auch nicht synthetisch. Zwar gibt es immer mehr alternative Energiequellen, wie Solar, Erdwärme oder ähnliches, dennoch bleibt Öl ein wichtiger Treiber für die Wirtschaft und ist nicht hinwegzudenken. Sollten die Fördermengen also irgendwann einmal rar werden, muss dies zwangsläufig dazu führen, dass der Preis steigt. Wann dies jedoch der Fall sein wird, ist ungewiss und hängt von vielen Variablen ab, die praktisch nicht vorhersehbar sind. Anleger sollten daher das Investment in Öl als sehr langfristig ansehen und nicht etwa als Gewinnoption für einige Wochen.

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